Lexikon - MUEHLE Messzeuge GmbH

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Begriffsbestimmungen und verwendete Abkürzungen in alphabetischer Reihenfolge
Auszug aus der MÜHLE-Werksnorm MW 1000


Abbescher Grundsatz Abbe principle / principe d' Abbe
Nach dem Abbeschen Grundsatz sollen die zu messende Strecke am Prüfgegenstand und die Vergleichsstrecke an der Maßverkörperung bzw. dem messenden Element in der Messrichtung fluchtend angeordnet sein. Hierdurch werden Messabweichungen, die in Folge von geringen Kippungen bei Messbewegungen auftreten (Messabweichung 2. Ordnung), vernachlässigbar klein. Bei Parallelversatz von Messstrecke und Vergleichsstrecke, also Nichteinhaltung des Abbeschen Grundsatzes, verursachen geringe Kippungen bei Messbewegungen eine Messabweichung (Messabweichung 1. Ordnung), die meist nicht mehr vernachlässigbar klein ist.

Abweichungsspanne [fe]
Die Abweichungsspanne ist der Ordinatenabstand zwischen dem höchsten und tiefsten Punkt im Abweichungsdiagramm.
Sie gilt jeweils für die gesamte Messspanne bzw. den gesamten Messbereich und wird durch Messungen in einer Richtung, d.h. bei Messuhren mit hineingehendem Messbolzen ermittelt.

Abweichungsspanne in der Teilmessspanne [ft]
Abweichungsspanne in der Teilmessspanne entspricht der Abweichungsspanne fe, sie gilt jedoch nur für eine vorgegebene Teilmessspanne.

Anwendungsbereich [Awb] application range / étendue d'application
Der Anwendungsbereich ist gleich der Summe aus Verstellbereich und Messbereich wobei jeder Bereich durch seinen Anfangswert und Endwert gekennzeichnet wird.

Anzeige [Az] indication / indication
Die Anzeige ist die unmittelbar mit den menschlichen Sinnen erfaßbare Information über den Meßwert. Sie kann optisch, akustisch oder auf andere Weise vermittelt werden. Bei anzeigenden Meßgeräten werden die Skalenanzeigen, die Ziffernanzeige und sonstige Anzeigen unterschieden.
Bei Maßverkörperungen entspricht die Aufschrift der Anzeige.

Anzeigebereich [Azb] range of indication / étendue des indications
Der Anzeigebereich ist der Bereich zwischen größter und kleinster Anzeige eines Meßgerätes.

Anzeigendes Messgerät measuring instrument / appareil mesureur
Ein anzeigendes Messgerät ist ein Messgerät mit einer Anzeigeeinrichtung, z.B. Messschieber, Bügelmessschraube, Messuhr, Feinzeiger, das zum messen dient.

Bezugsnormal standard basic/etalon de référence
Normal, im allgemeinen von der höchsten an einem betrachteten Ort verfügbaren Genauigkeit, von dem an diesem Ort vorgenommene Messungen abgeleitet werden.

Eichen calibrating / étalonner
==>  Kalibrieren

Einstellen setting / régler
Einstellen ist das Verstellen von Prüfmitteln auf ein Maß mit Bezug auf Maßverkörperungen. Wird dabei eine Null-Anzeige angestrebt, so spricht man von einer Null-Einstellung.

Empfindlichkeit [E] sensitivity / sensibilité
Bei Messgeräten mit Skalenanzeigen ist die Empfindlichkeit E gleich dem Verhältnis der Anzeigeänderung L zu der sie verursachenden Änderung M der Messgröße.

 E = (L ) / (M)

Bei Längenmessgeräten ist die Empfindlichkeit gleich dem Verhältnis des Weges der Ablesemarke, z.B. der Zeigerspitze, zum Weg des messenden Elements, z.B. des Messbolzens.
Anstelle der Empfindlichkeit E wird bei Längenmessgeräten auch der Begriff Vergrößerung [V] oder Übersetzung [U] synonym verwendet.
Bei Messgeräten mit Ziffernanzeige ist die Empfindlichkeit E gleich dem Verhältnis der Anzahl Z der Ziffernschritte zu der sie verursachenden Änderung M der Messgröße.

 E=(Z) / (M)

Fehlergenzen [G]
Fehlergrenzen sind Beträge für untere und obere Grenzabweichungen eines Messgerätes. Der Normalfall in der praktischen Messtechnik sind symetrische Fehlergrenzen. Für diese wird nur ein einziger Wert ohne Vorzeichen angegeben.
Für Fehlergrenzen sind Bedingungen vorgegeben bzw. sie sind zu vereinbaren. Sie können z.B. für eine oder beide Messrichtungen ebenso gelten wie für eine Teilmessspanne oder die gesamte Messspanne bzw. für einen Teilmessbereich oder den gesamten Messbereich eines Messgerätes.

Gebrauchsnormal
Normal, das im allgemeinen mit einem Bezugsnormal kalibriert ist und routinemäßig benutzt wird, um Maßverkörperungen oder Messgeräte zu kalibrieren oder zu prüfen

Gesamtabweichungsspanne [fges]
Die Gesamtabweichungsspanne wird durch Messungen in beiden Richtungen, d.h. bei Messuhren mit hinein- und herausgehendem Messbolzen ermittelt.

Grenzlehrung
==>  Lehren

Hysterese hysteresis / hystérésis
Die Hysterese ist die Eigenschaft eines Messgerätes, Ergebnisse aufeinanderfolgender Messungen aus entgegengesetzter Messrichtung der selben Messgröße, ausgeführt unter gleichen Messbedingungen, wiederzugeben.

Justieren adjusting / ajuster
Justieren umfasst alle erforderlichen Maßnahmen, mit denen erreicht wird, daß die Abweichung der Anzeige innerhalb der Fehlergrenzen liegt.

Kalibrieren calibrating / étalonner
Kalibrieren ist die Tätigkeit, die unter vorgegebenen Bedingungen die gegenseitige Zuordnung zwischen den ausgegebenen Werten eines Messgerätes oder einer Messeinrichtung oder den von einer Maßverkörperung dargestellten Werten einerseits und den zugehörigen gekannten Werten einer Meßgröße andererseits bestimmen.

Das Ergebnis des Kalibrierens kann z.B. zum Justieren verwendet werden.
Der Begriff "Eichen" ist die Kalibriertätigkeit der staatlichen Eichämter und ist ausschließlich in diesem Zusammenhang zu verwenden.

Kleinstmögliche Messunsicherheit
Messunsicherheit, die einem Laboratorium für jede Messgröße sowie festgelegte Messbereiche auf Grund der Beurteilung des Messunsicherheitsbudgets und ggf. durchgeführter Vergleichsmessungen als kleinstmögliche Messunsicherheit zuerkannt wird.

Lehre gauge / calibre
Eine Lehre verkörpert Maße oder Formen, die in der Regel auf Grenzmaße bezogen sind.

Lehren gauging / contrôler par calibre
Lehren ist das feststellen, ob bestimmte Längen, Winkel oder Formen eines Prüfgegenstandes die durch Maß- oder Formverkörperung  - die Lehren - gegebenen Grenzen einhalten oder in welcher Richtung sie diese überschreiten. Der Betrag der Abweichung wird nicht festgestellt.
Eine Grenzlehrung erfordert zwei Maßverkörperungen, die den beiden Grenzmaßen entsprechen.

Maßverkörperung material measure / mesure matérialisée

Eine Maßverkörperung in der Längenmesstechnik stellt Längen bzw. Winkel durch die festen Abstände bzw. Winkel zwischen Flächen oder Strichen dar. Einstellnormale (z.B. Einstellringe, Einstelldorne und Parallelendmaße) sind Maßverkörperungen.

Messanweisung measuring instruction / condition de mesurage
Die Messanweisung legt die einzuhaltenden Bedingungen und den Ablauf des Messvorganges fest. Messanweisungen für rechnergestütztes Messen werden Messprogramme genannt.

Messbereich [Meb] measuring range / étendue de mesure
Der Messbereich eines anzeigenden Messgerätes ist der Bereich von Messwerten, in dem vorgegebene oder vereinbarte Fehlergrenzen nicht überschritten werden.
Bei Messgeräten mit mehreren Messbereichen können für die einzelnen Messbereiche unterschiedliche Fehlergrenzen gelten.
Der Messbereich ist ein Teil des Anzeigebereiches, er kann auch den gesamten Anzeigebereich umfassen.

Messen measuring / mesurer

In der Längenprüftechnik ist das Messen das Ermitteln des Messwertes einer Länge oder eines Winkels durch Vergleich mit einem Normal, z.B. Maßverkörperung.

Messergebnis [Meg] result of measurement / résultat d'une mesurage
Der Messwert, korrigiert um bekannte systematische Messabweichungen, führt zum Messergebnis.
Das Messergebnis ist wiederum mit einer Messunsicherheit behaftet, die die zufälligen sowie die unbekannten systematischen Messabweichungen umfasst.

Messgröße measurand / grandeur à mesurer

Physikalische Größe, der die Messung gilt, d.h. sie ist die zu messende  oder gemessene Länge bzw. der zu messende oder gemessene Winkel

Messkraftumkehrspanne hysteresis of measurement force / réversibilité de force de mesurage

Die Messkraftumkehrspanne ist der Unterschied der Messkräfte bei dem selben Messwert, wenn dieser einerseits bei steigenden und andererseits bei fallenden Werten der Anzeige bzw. der Messkraft erreicht wird.

Messprogramme measuring instruction / condition de mesurage

Schematisierter Ablauf einzelner Prüfschritte. Kann auch mittels Software abgebildet werden.

Messspanne [Mes] measuring span / champ de mesure
Die Messspanne entspricht der Differenz zwischen Anfangswert und Endwert des Meßbereiches.

Messunsicherheit
Schätzwert zur Kennzeichnung eines Wertebereiches, innerhalb dessen der wahre Wert der Messgröße liegt.

Messwert [Mw] measured value / valeur de mesurage

Der Meßwert ist der durch eine Messung ermittelte Wert, er ist somit der Messgröße zugehörig und der Ausgabe (z.B. Anzeige) eines Messgerätes oder einer Messeinrichtung zugeordnet.
Ein Messwert wird als Produkt aus Zahlenwert und Einheit angegeben.
Der Messwert setzt sich aus dem wahren Wert und den zufälligen sowie systematischen Messabweichungen zusammen.

Messwertumkehrspanne [fu] hysteresis error / erreur de réversibilité
Die Messwertumkehrspanne ist die ermittelte Differenz der Anzeigen eines Messgerätes, wenn unter gleichen Messbedingungen der selbe Wert der Messgröße bei ansteigenden und bei abfallenden Werten gemessen wird. Die Messwertumkehrspanne ist das quantitative Maß für die Hysterese. Für diese Streuungskennwerte gilt eine vorgegebene Wahrscheinlichkeit von 95%.
Die Messwertumkehrspanne  kann durch einzelne Messungen an beliebiger Stelle innerhalb der Messspanne bestimmt oder dem Gesamtabweichungsdiagramm entnommen werden.

Messzeuge measuring instrument / appareil mesureur
=>  Anzeigendes Messgerät.

Nationales Normal national standards / etalon référence national
Normal, das in einem Land durch einen offiziellen Beschluss als Basis zur Festlegung des Wertes aller anderen Normale der betreffenden Größe anerkannt ist.

Noniuswert [Now] vernier interval / valeur du vernier
Der Noniuswert ist die Änderung des Wertes der Meßgröße, die eine Änderung der Anzeige um einen Skalenteil der Noniusteilung bewirkt.

Null-Einstellen setting / régler
==>  Einstellen

Prüfen inspecting / contrôler
Prüfen in der Längenprüftechnik ist das Feststellen, ob ein Prüfgegenstand den geforderten Maßen und der geforderten Gestalt entspricht.
Das Prüfen kann subjektiv durch Sinneswahrnehmung oder objektiv durch Messen oder Lehren erfolgen.

Rückführung traceability / réaction
Vorgang, Messergebnisse durch eine ununterbrochene Kette von Kalibrierungen auf nationale Normale zu beziehen.

Skalenanzeige  scale indication / indication de l'échelle
Eine Skalenanzeige ist der an einer Strichskale ablesbare Stand einer Marke.

Strichskale [Sks] line scale / échelle à traits
Eine Strichskale (Teilung) ist die Aufeinanderfolge einer Anzahl von Teilstrichen auf einem Skalenträger.

Skalenteil [Skt] scale division / division
Teil einer Skale zwischen zwei aufeinanderfolgenden Teilstrichen.

Skalenteilungswert [Skw] scale interval / valeur d'une division
Der Skalenteilungwert ist der Betrag der Differenz zwischen den Werten, die zwei aufeinanderfolgenden Teilstrichen entsprechen. Der Skalenteilungwert wird in der auf der Skale stehenden Einheit angegeben.

Taylorscher Grundsatz Taylor principle / principe de Taylor
Der Taylorsche Grundsatz bezieht sich auf die Gestaltung und Anwendung von Lehren zur Prüfung von Passteilen.
Die Gutlehre, die man mit jedem als gut zu bezeichnenden Prüfgegenstand paaren kann, muß jedem Element der zu prüfenden Werkstückfläche ein eigenes Flächenelement gegenüberstehen. Damit werden sowohl die Form als auch die Maße geprüft. Die Gutlehre muß also so ausgebildet sein, daß sie die zu prüfende Form in ihrer Gesamtwirkung prüft.
Die Ausschußlehre, die man mit jedem als gut zu bezeichnenden Prüfgegenstand nicht paaren kann, soll dagegen so kleine Flächenelemente besitzen, daß sie durch Paarung mit sehr kleinen Elementen der zu prüfenden Werkstückfläche das Nichteinhalten des geforderten Grenzmaß anzeigt. Damit werden nur einzelne Maße des Prüfgegenstandes geprüft.
 
Teilstrichabstand [Ta] scale spacing / longueur d'une division (d'échelle)
Der Teilstrichabstand einer Strichskale ist der längs des Weges der Ablesemarke (z.Bsp. Zeigerspitze) in Längeneinheiten gemessene Mittenabstand zweier benachbarter Teilstriche.

Übersetzung [E] sensitivity / sensibilité
==>  Empfindlichkeit

Vergrößerung [E] sensitivity / sensibilité
==>  Empfindlichkeit
Verstellbereich [Vsb] adjustment range / étendue de réglage
Der Verstellbereich ist der Bereich der Messgröße, um den der Messbereich verlagert werden kann.

Wiederholbarkeit [fw] repeatability / reproductibilité
Sie entspricht der Wiederholpräzision. Der Begriff Wiederholbarkeit wird im Zug der Überarbeitung der DIN-Normen durch den Begriff "Wiederholpräzision" ersetzt.

Wiederholpräzision [fw] -- / reproductibilté
Sie ist die Eigenschaft eines Messgerätes, Ergebnisse aufeinanderfolgender Messungen in gleicher Messrichtung und der selben Messgröße, ausgeführt unter gleiche Messbedingungen, wiederzugeben. Die Wiederholpräzision wird durch Streuungskennwerte ausgedrückt.

Wiederholgrenze -- / --
Die Wiederholgrenze ist der Grenzwert für die Wiederholpräzision. Dieser ist der Differenzbetrag für einzelne Messwerte, erfasst unter geleichen Messbedingungen und gilt für eine Wahrscheinlichkeit von 95 %.
Die Wiederholgrenze entspricht im quantitativen Sinne dem bisherigen Begriff der Wiederholbarkeit.

Ziffernanzeige numerical (digital) control / affichage numérique
Die Ziffernanzeige ist die Anzeige in Form einer Zahl (Ziffernfolge), die den Messwert diskontinuierlich darstellt.

Ziffernschritt [Zst] numerical division / échelon d'une échelle numérique
Der Ziffernschritt ist die Differenz zweier aufeinanderfolgender Ziffern der letzten Stelle einer Ziffernskale.

Ziffernschrittwert [Zw] numerical interval / valeur d'échelon d'une échelle numérique
Der Ziffernschrittwert ist die Änderung der Anzeige um einen Ziffernwert. Der Ziffernschrittwert, der dem Skalenteilungswert entspricht, wird in der Einheit der Meßgröße angegeben.

Ziffernskale [Skz] numerical scale / échelle numérique
Eine Ziffernskale ist eine Folge von Ziffern (meist 0 bis 9) auf einem Ziffernträger. Bei einer mehrstelligen Ziffernskale sind einstellige Ziffernskalen in dezimaler Abstufung nebeneinander angeordnet.

 
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